Tandem-Projekt für Integration :: Zeitungsartikel

Der folgende Artikel stammt aus der Volksblatt vom 11. September 2012. Vielen Dank an Andreas Kiener.

Tandem-Projekt für Integration

Unterstützung Als im Jahr 2009 mehr als 200 Asylsuchende aus Afrika in Liechtenstein ankamen, rief die Interessens-?gruppe Mumas das Tandem-Projekt ins Leben. Ziel ist es, die Asylsuchenden und Flüchtlinge hier zu unterstützen. Heute sind sie erfolgreich integriert. Dennoch sagt der Organisator: Neue Tandem-Partner sind herzlich willkommen.

Abdikarim Mohamud Osman sitzt lächelnd im Wohnzimmer des Aufnahmezentrums in Vaduz. «Wenn etwas schwierig ist, frage ich und sie erzählt», sagt der Somalier über seine Tandem-Partnerin. Auf die Frage, was ihm an Liechtenstein besonders gefalle, antwortet er: «Alles. Alles ist gut.» Auch lächelnd. Er lächelt überhaupt viel. Mohamud Osman ist einer der wenigen, die noch im Aufnahmezentrum wohnen. Die meisten jener Asylsuchenden, die 2009 ankamen und jetzt noch im Land sind, haben mittlerweile Arbeit und eine eigene Wohnung gefunden – auch dank der Hilfe ihrer Tandem-Partner. Mohammed Osman hat auch Arbeit: Er ist der Hausmeister des Aufnahmezentrums.Vor allem der Bürgerkrieg in Syrien könnte neue Flüchtlinge nach Europa führen. Liechtenstein erwartet aber keine Flut von syrischen Asylbewerbern. «Die dortige Lage lässt sich schwer einschätzen», meint Heribert Beck vom Ausländer- und ?Passamt. Die meisten syrischen Flüchtlinge würden sich in den Nachbarländern aufhalten, und in ihre Heimat zurückkehren, sobald der Bürgerkrieg beendet ist. Der Leiter der Abteilung kann allerdings eine Asylwelle aus Syrien nicht ganz ausschliessen. «Niemand hätte im Herbst 2009 mit Eritreern oder Somaliern gerechnet», erinnert sich Beck. Die meisten Asylsuchenden und Flüchtlinge, die in Liechtenstein leben, stammen dennoch aus diesen beiden ostafrikanischen Ländern.

Nach der Flüchtlingswelle

Im Herbst 2009 erlebte Liechtenstein die grösste Welle von Asylsuchenden in jüngerer Zeit. Mehr als 200 Menschen aus Eritrea und Somalia kamen ins Land. Mittlerweile sind die meisten von ihnen nicht mehr hier. Sie sind entweder untergetaucht oder ihnen konnte eine Einreise über die Schweiz nachgewiesen werden. Die Schweiz hat ein Rückübernahmeabkommen mit Liechtenstein, daher hat das Land diesen Teil der Asylsuchenden übernommen. Laut Heribert Beck, dem Leiter der Abteilung Asyl des Ausländer- und Passamts (APA), befinden sich aktuell 12 Asylsuchende und 16 vorläufig aufgenommene Personen im Land. Dabei handelt es sich zum Grossteil nicht mehr um die Menschen, die 2009 aus Eritrea und Somalia geflohen sind. Mittlerweile sind Asylsuchende aus anderen Ländern hinzugekommen. «Seit dem Jahr 2000 haben in Liechtenstein 24 Personen Asyl erhalten», bilanziert Beck.

Das Tandem in die Zukunft

Sacha Schlegel (41, aus Balzers) von der Interessensgruppe Mumas (Menschenwürdiger Umgang mit Asylsuchenden) ist Mitorganisator des Tandem-Projekts. «Das Tandem-Projekt ist eine Möglichkeit, etwas hier vor Ort zu tun und nicht einfach Geld irgendwo hin zu schicken», sagt er. Mumas hat das Projekt vor drei Jahren initiiert, als das Thema durch die vielen Neuankömmlinge aktuell war. Ziel ist es, den Asylsuchenden Menschen aus Liechtenstein zur Seite zu stellen, die ihnen bei der Integration im neuen Land helfen. Sie bei der Arbeitssuche zu unterstützen ist eine der wichtigsten Aufgaben der Tandem-Partner, Schlegel erklärt: «Arbeit ermöglicht Selbstständigkeit. Wenn sie Arbeit haben, dann können sie sich eine eigene Wohnung leisten, können ihr Leben wieder selbst gestalten und organisieren, haben wieder Zukunftsperspektiven und Arbeit lenkt von ihren zum Teil dramatischen und traumatischen Erfahrungen ab.»Die Jobsuche ist für Fremde viel schwieriger als für Einheimische. Neben sprachlichen Barrieren besteht oft auch eine gewisse Skepsis der Arbeitgeber, weil es für diese eine neue Situation ist, einen Flüchtling zu beschäftigen. Da müssen die Liechtensteiner Tandem-Partner schon mal vermittelnd eingreifen, Gespräche mit Chefs führen und mit ihren Schützlingen gemeinsam offene Stellen abklappern.Damit das Tandem-Projekt erfolgreich funktionieren kann, ist von- seiten der Liechtensteiner und der Asylsuchenden Verlässlichkeit notwendig. Beide Partner eines Tandems unterschreiben daher eine Vereinbarung. Diese legt nicht nur die Dauer des Tandems fest, sie verpflichtet auch zu Verantwortung und vertraulichem Umgang mit Informationen.Das Tandem verspricht nicht nur einseitig Hilfe für Asylsuchende. Den Projekt-Hinweisen auf der Website von Mumas ist zu entnehmen: «Wir erachten Integration als ein gesamtgesellschaftliches Anliegen. Die Gesamtheit aller Gesellschaftsmitglieder – Zugezogene wie Einheimische – sind Gegenstand der Bemühungen.» Durch die Erweiterung ihres interkulturellen Verständnisses profitieren auch die Liechtensteiner, die sich als Tandem-Partner engagieren. «Es sind auch schon dauerhafte Freundschaften aus dem Projekt entstanden», sagt Schlegel.

Spenden als Startkapital

Damit Geld für gemeinsame Unte Abdikarim Mohamud Osman Somalia und Sacha Schlegel vom Tandem-Projekt vor dem Aufnahmezentrum.?(Foto: ZVG)rnehmungen da ist, erhält jedes Tandem-Paar einen Betrag von 200 Franken als «Startkapital». Dieses Geld kommt aus Spenden. Einen wichtigen Beitrag leistete eine Initiative am Liechtensteinischen Gymnasium. Der Vorarlberger Peter Mennel, 51, ist dort Lehrer für Theologie. Als die Kapazitäten des Aufnahmezentrums im Herbst 2009 für die damals nach Liechtenstein kommenden Flüchtlinge nicht mehr ausreichten, wurden einige von ihnen im Luftschutzbunker des Gymnasiums untergebracht. Das nahm Mennel gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern zum Anlass, ein Projekt für «Break the Silence», die Jugendinitiative der «Ärzte ohne Grenzen», zu starten. Die Gruppe veranstaltete Aktionen, um über die Situation der Flüchtlinge und die Lebensbedingungen in ihren Herkunftsländern zu informieren. Unter anderem erstellten und verkauften die Schüler Informationsbroschüren. Einen Teil der Erlöse spendeten sie dem Tandem-Projekt.«Die meisten Eritreer und Somalier sind gut integriert», erklärt Schlegel. Dazu hat das freiwillige Engagement vieler Einzelner stark beigetragen. «Aber neue Tandem-Partner werden immer gesucht. Es sind neue Flüchtlinge aus anderen Ländern hier.»

*Andreas Kiener, 31, kommt aus Oberösterreich und absolviert derzeit die Internationale Sommerakademie für Journalismus und PR in der Uni Liechtenstein.

Volksblatt-11-September-2012-Tandem-Projekt

Dieser Beitrag wurde unter Dokumentation, Tandem abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Ein Kommentar zu Tandem-Projekt für Integration :: Zeitungsartikel

  1. Hallo Sacha,

    ich danke dir und Abdikarim und allen anderen, die mir bei der Recherche geholfen haben.

    Liebe Grüße aus Berlin

    Andreas

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.